In der modernen Vereinswelt reicht es oft nicht mehr aus, einfach nur ein gutes Sport- oder Freizeitangebot zu haben; vielmehr müssen Vereine lernen, ihre Vision und Mitgliedschaften aktiv zu „verkaufen". Viele Ehrenamtliche schrecken vor dem Begriff „Vertrieb" zurück, doch im Kern ist Verkauf im Verein nichts anderes als zielgerichtete Kommunikation, die auf die Bedürfnisse des Gegenübers eingeht.
Um neue Mitglieder zu gewinnen, Kurse zu füllen oder Sponsoren zu begeistern, hilft ein praxisnahes Mini-Vertriebstraining, das ohne klassische Verkaufsfloskeln auskommt.
1. Die Grundlage: Menschentypen verstehen und Empathie nutzen
Jeder potenzielle Unterstützer tickt anders, weshalb ein erfolgreiches Gespräch immer mit einer Einordnung des Gegenübers beginnt. Anstatt eine Standardpräsentation abzuspulen, sollten Vereinsvertreter lernen, auf unterschiedliche Menschentypen einzugehen und deren emotionale Ziele zu analysieren.
Ein normales Menschenverständnis und ein gewisses Maß an Empathie reichen oft schon aus, um herauszufinden, ob jemand eher soziale Zugehörigkeit, neue Erfahrungen oder Selbstwirksamkeit sucht.
2. Die 70/30-Regel: Wer fragt, der führt
Ein häufiger Fehler in der Mitgliederakquise ist es, das Gegenüber mit Informationen zu „überfahren", anstatt zuzuhören. Ein wichtiges Learning aus dem Vertriebstraining lautet: Lass Dein Gegenüber sprechen und stelle gezielte Fragen.
Idealerweise besteht ein Gespräch zu 70 % aus Zuhören und nur zu 30 % aus eigenem Reden. Durch eine fundierte Bedarfsanalyse findest Du heraus, was das potenzielle Mitglied wirklich antreibt, was Dir wiederum die passenden Argumente für die spätere Überzeugung liefert.
3. Der emotionale Einstieg: Erst die Bindung, dann die Fakten
Menschen entscheiden sich selten rein rational für einen Verein; oft ist es ein positives Gefühl oder die Aussicht auf Gemeinschaft, die den Ausschlag gibt. Starte jedes Gespräch positiv und auf der emotionalen Ebene, bevor Du über Mitgliedsbeiträge oder Satzungsdetails sprichst.
Besonders bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen zeigt die Forschung, dass Merkmale wie Extraversion und Offenheit stark mit der Gemeinwohlmotivation korrelieren, worauf Du in der Ansprache gezielt eingehen kannst.
4. Einwandbehandlung: Vorwände von echten Hindernissen trennen
„Ich habe keine Zeit" oder „Das ist mir zu teuer" sind klassische Sätze, die in jedem Akquise-Gespräch auftauchen können. Eine gute Vorbereitung auf die Einwandbehandlung ist essenziell, um nicht in eine Rechtfertigungshaltung zu verfallen.
Oft sind Einwände nur ein Zeichen dafür, dass das Gegenüber noch nicht den vollen Nutzen für sich erkannt hat. Hier hilft es, nachzufragen, anstatt sofort gegenzuargumentieren, um den Kern des Zweifels zu verstehen.
5. Nachhaltige Beziehungen aufbauen
Vertrieb im Verein ist kein Sprint, sondern der Aufbau einer langfristigen Partnerschaft. Dokumentiere Deine Gespräche sachlich und bleibe bei Interessenten am Ball, ohne aufdringlich zu wirken.
Eine starke Community im Verein, in der Mitglieder zu echten Fans werden, ist die beste Werbung und erleichtert die Gewinnung weiterer Personen massiv.
Checkliste: Dein nächstes Mitglieder-Gespräch
- Positiver Einstieg: Habe ich eine freundliche, offene Atmosphäre geschaffen?
- Fragen statt Sagen: Habe ich mehr zugehört als selbst geredet?
- Bedarf erkannt: Weiß ich, was der Person im Verein wirklich wichtig ist?
- Nutzen kommuniziert: Habe ich erklärt, wie der Verein das Bedürfnis der Person erfüllt?
- Nächster Schritt: Wurde konkret vereinbart, wie es nach dem Gespräch weitergeht?
Fazit
Mitglieder- und Sponsorengewinnung ist ein Handwerk, das jeder Vereinsmensch erlernen kann. Wenn Du aufhörst, nur Fakten aufzuzählen, und beginnst, Menschen und ihre Ziele in den Mittelpunkt zu stellen, wird Dein Verein organisch wachsen.
Metapher zur Veranschaulichung
Vertrieb im Verein ist wie das Auslegen einer Fährte: Du musst zuerst wissen, was das Ziel Deines Gegenübers ist (Bedarfsanalyse), dann legst Du kleine, attraktive Köder in Form von emotionalen Vorteilen aus (Kommunikation), bis die Person von selbst den Weg in Dein Vereinsheim findet (Abschluss).
Du zerrst niemanden an der Leine hinter Dir her, sondern sorgst dafür, dass das Gegenüber den Weg aus eigenem Antrieb gehen möchte.