So digitalisierst du deinen Verein in 7 Tagen – der praxisnahe Schritt-für-Schritt-Plan
Ein klarer, umsetzbarer Fahrplan für Ehrenamtliche, Vorstände und Trainer, die ihr Ehrenamt von Zettelbergen, Excel-Chaos und Überlastung befreien wollen – ohne IT-Studium.
Liebe Ehrenamtliche, Vorstände und Trainer,
ihr kennt das: Das Ehrenamt ist eine Herzensangelegenheit, aber knappe zeitliche und finanzielle Ressourcen sorgen für dauerhaft hohe Belastung. Viele Vereine arbeiten noch analog – mit Zetteln, manuellen Listen, unsicheren WhatsApp-Gruppen oder physischen Besprechungen.
Wir, David und Tatjana von VereinVereint, sind überzeugt: Diese mühsame Arbeit darf kein Normalzustand mehr sein. Digitalisierung ist zentral für die Zukunftsfähigkeit von Vereinen und der beste Weg, Funktionäre zu entlasten und das Ehrenamt zu stärken.
In den nächsten 10–15 Jahren wird es keinen Verein mehr geben, der nicht in irgendeiner Form digital arbeitet. Wer heute startet, gewinnt: mehr Zeit fürs Training, die Gemeinschaft und Veranstaltungen – und wird für Jüngere sichtbarer und attraktiver.
In diesem 7-Tage-Plan zeigen wir dir, was in einer Woche realistisch machbar ist: Fokus auf Kommunikation, Verwaltung und Rechtssicherheit – locker, aber mit klarem, praxisnahem Plan.
Bestandsaufnahme & Ziele definieren
Bevor du Tools installierst, musst du wissen, wo die größten Schmerzpunkte liegen.
Plane dir etwa eine Stunde ein, um die IST-Situation deines Vereins zu analysieren. Schaue dir an, wie ihr derzeit arbeitet:
- Mitgliederverwaltung: Liegen Listen noch in Ordnern, auf Zetteln oder als unübersichtliche Excel-Tabellen vor?
- Kommunikation: Laufen wichtige Infos über WhatsApp-Gruppen, SMS oder unstrukturierte E-Mails?
- Ablage: Liegen Satzung, Protokolle und Unterlagen auf privaten Festplatten oder in einer Dropbox, auf die der Nachfolger keinen Zugriff hat?
- Finanzen: Werden Einnahmen und Ausgaben manuell erfasst oder fehlen klare Buchungsprozesse (z. B. nach SKR42)?
Frage dich: Was nervt am meisten? Typische Zeitfresser sind:
- Anwesenheitslisten beim Training oder bei Veranstaltungen sammeln.
- Informationen an einzelne Gruppen (Jugend, Aktive, Eltern) verteilen.
- Jährliche Beitragsverwaltung und der Einzug der Mitgliedsbeiträge.
Dein Ziel für diese Woche: Wähle den größten Zeitfresser (z. B. Kommunikation oder Anwesenheitslisten) und nimm dir vor, diesen Prozess innerhalb von 7 Tagen mit einem einfachen, intuitiven Tool zu digitalisieren.
Kommunikationskanäle modernisieren
Kommunikation ist der ideale Startpunkt – schnell spürbare Entlastung ohne große Hürden.
Viele Vereine nutzen WhatsApp, um Informationen schnell zu teilen. Das ist praktisch, aber aus Datenschutzsicht oft problematisch, weil private Accounts und externe Server im Spiel sind.
Handlungsschritt: Trenne private Absprachen von der offiziellen Vereinskommunikation.
- Für den Vorstand: Nutzt ein Tool, das Chat, Terminverwaltung und Anwesenheitslisten in einer App bündelt – idealerweise als Vereinssoftware mit mobiler App.
- Für Mitglieder: Ein offizieller Info-Kanal (z. B. WhatsApp-Broadcast oder Newsletter) kann exklusive Einblicke liefern (Blicke hinter die Kulissen, Ergebnisse), ohne sensible Mitgliedsdaten offen zu legen.
Lege klare Kommunikationsregeln fest – egal ob Fußball-, Musik- oder Kulturverein:
- Ankündigungen: Offizielle Infos (Mitgliederversammlung, Beitragserhöhungen) laufen über das Nachrichtensystem der Vereinssoftware oder einen Newsletter mit Double-Opt-In.
- Absprachen im Alltag: Tägliche Orga (Wer bringt die Tore mit? Wer übernimmt die Kantine?) kann über integrierte Chats in der Vereinssoftware (z. B. Vereinsplaner) stattfinden.
- Dateien & Dokumente: Lagert Dokumente zentral im Online-Speicher der Software. So haben Vorstand und Nachfolger jederzeit Zugriff, ohne PDF-Chaos per E-Mail.
Digitale Mitgliedsverwaltung einführen
Die Mitgliederverwaltung ist das Rückgrat deines Vereins – digital, sicher und zentral.
Cloudbasierte Vereinssoftware ist heute Standard, um Daten zentral zu speichern und effizient zu arbeiten:
- Entlastung der Funktionäre: Digitale Tools übernehmen Beitragsverwaltung, Anwesenheitslisten und die Erfassung von Einnahmen und Ausgaben.
- Aktuelle Daten: Mitgliederdaten sind immer digital verfügbar, statt in Ordnern oder Einzeldateien zu verschwinden.
- Rechtssicherheit: Professionelle Software hilft bei der DSGVO-Einhaltung – ein großer Vorteil gegenüber analogen Listen.
Beispiele für starke Lösungen:
- Vereinsplaner: Fokus auf Kommunikation und Organisation, mobile App für Mitglieder und Vorstand, Anwesenheitslisten per Zu-/Absage.
- WISO MeinVerein Web: Sehr stark bei der Finanzverwaltung, Buchungen (z. B. SKR42), Beitragsläufe und digitale Spendenprozesse inkl. Spendenbescheinigungen.
- campai: Vereinsverwaltung mit Nachrichtensystem, Vorlagen (z. B. für Geburtstagsgrüße) und digitalem Mitgliederausweis.
- easyVerein & ClubDesk: All-in-One-Lösungen für Verwaltung, Kommunikation und Organisation.
Handlungsschritt: Wähle basierend auf Tag 1 eine Software aus, die zu deinen Zielen passt, und starte mit dem Import der Stammdaten (Mitgliederliste, Abteilungen, Funktionen). Schon jetzt kannst du Beitragsläufe oder Spendenprozesse vorbereiten, um Einnahmen zu automatisieren.
Website aktualisieren oder neu aufsetzen
Deine Website ist das digitale Vereinsheim – oft der erste Kontaktpunkt für neue Mitglieder.
Denke Mobile First: Die meisten Mitglieder und Interessierten kommen über das Smartphone.
- Klare Startseite: Zeigt auf einen Blick, wofür euer Verein steht, welche Angebote ihr habt und wie man euch erreicht.
- SEO-Optimierung: Nutze Suchbegriffe wie „Digitalisierung Ehrenamt", „Vereinswebsite erstellen" oder „Fußballverein [Ort]", damit ihr bei Google gefunden werdet.
- Abteilungen & Trainer: Strukturierte Seiten für Angebote, Trainingszeiten, Trainer und Ansprechpartner.
Achte auf das Hosting:
- Das Hostingpaket sollte immer auf den Verein laufen, nicht auf den Dienstleister oder eine Privatperson.
- WordPress ist ein sehr starkes Werkzeug für Vereinswebsites.
- Vermeide nach Möglichkeit One-Click-Installationen des Hosters. Eine saubere manuelle Installation oder ein Done-for-you-Setup macht spätere Umzüge, Backups und Updates deutlich einfacher.
Online-Formulare & Automatisierungen
Routineaufgaben automatisieren – damit weniger Zeit in Verwaltungsarbeit verloren geht.
Verzichte auf handschriftliche Listen oder E-Mail-Sammelaktionen. Nutze stattdessen Formulare, die Daten direkt in eure Verwaltung oder eine Tabelle schreiben:
- Anmeldeformulare: Beitrittsgesuche, Kursanmeldungen oder Helferlisten per Google Forms, Typeform oder – bei WordPress – z. B. Elementor Forms.
- Trainingsanmeldungen: Insbesondere Sportvereine profitieren von Online-Buchungssystemen wie Yolawo, um Kurse zu verwalten und sich auch Nicht-Mitgliedern zu öffnen.
- QR-Codes für defekte Materialien: Bringe QR-Codes an Beamer, Bällen, Trikots an. Über den Scan öffnen Trainer ein kurzes Formular („Was ist defekt?") – die Meldung landet direkt beim Vorstand.
Künstliche Intelligenz (KI) kann zusätzlich helfen:
- KI-gestützte Chatbots (z. B. vom Landessportbund) liefern erste Antworten zur Vereinsarbeit.
- Du kannst KI nutzen, um Social-Media-Posts, Texte oder Ideen in Sekunden zu erstellen – eine große Entlastung für Ehrenamtliche.
Fördermittel & Datenschutz klären
Rechtssicherheit und Finanzierung – der oft unterschätzte, aber kritische Teil der Digitalisierung.
Mit digitalen Tools steigt die Bedeutung der DSGVO. Transparenz ist Pflicht:
- Impressum: Pflicht für Websites, Newsletter und Online-Kurse. Alle Pflichtangaben müssen leicht auffindbar sein.
- Datenschutzerklärung: Erklärt verständlich, welche Daten zu welchem Zweck verarbeitet werden.
- Cookies & Tracking: Für nicht notwendige Cookies (z. B. für Affiliate-Tracking) braucht ihr ein aktives Cookie-Consent der Nutzer.
- Affiliate-Links: Müsst ihr als Werbung kennzeichnen (z. B. „Werbung" oder „Affiliate-Link"), wenn ihr Tools wie WISO MeinVerein Web empfehlt und Provision erhaltet.
Gleichzeitig solltet ihr Fördermittel prüfen:
- Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) und andere Programme fördern gezielt Digitalisierungsprojekte in Vereinen.
- Förderanträge brauchen Vorlauf – plant mehrere Monate Vorbereitungszeit ein.
- Beachtet, dass ab Januar 2025 die E-Rechnung auch im Vereinskontext eine größere Rolle spielt – ein weiterer Grund für digitale Abläufe.
Alles verbinden & Verein mitnehmen
Technik allein reicht nicht – jetzt geht es um Menschen, Schulung und langfristige Verankerung.
Die beste Software ist wertlos, wenn sie nicht genutzt wird. Am letzten Tag geht es darum, den Verein mitzunehmen:
- Vereinsabend: Ladet Funktionäre und Schlüsselpersonen ein, um gemeinsam die neuen Tools (z. B. Kommunikations-App, Vereinssoftware) zu installieren und die Grundfunktionen zu erklären.
- Aufgaben verteilen: Vereine funktionieren über projektorientiertes Engagement. Legt fest, wer Social Media pflegt, wer die Vereinssoftware betreut und wer Ansprechperson für Technikfragen ist.
Sichere das neue Wissen in einem Wissens-Hub:
- Lege eine interne Sektion auf eurer Website oder im Dokumenten-Speicher der Vereinssoftware an.
- Hinterlege dort Schritt-für-Schritt-Guides, Tutorials und Zugänge, damit Nachfolger nicht bei null starten.
Arbeitet mit Motivation & Mindset:
- Teile Erfolgsgeschichten und Best-Practice-Beispiele (z. B. Vereine, die durch Digitalisierung Zeit gespart oder mehr Mitglieder gewonnen haben).
- Macht klar: Das Ziel ist Entlastung, nicht zusätzliche Kontrolle – damit das Ehrenamt sich wieder auf Inhalte statt auf Bürokratie fokussieren kann.
Wenn du diese 7 Schritte konsequent umsetzt, hast du innerhalb einer Woche das Fundament gelegt, um dein Ehrenamt von unnötiger Bürokratie zu befreien und deinen Verein zukunftssicher aufzustellen.